patrick floener

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in aller kürze

tief sich grabend in die erde,
wachsend hoch hinaus zugleich
altert wie auch wir der riese,
nähert unaufhörlich sich
dem allerfassenden verfall.

im handumdrehen ist’s beendet,
ein lufthauch hat das licht gelöscht
und niemand kann auch nur erahnen
wie dünn der zwirn ist der uns hält,
wie rasend schicksal uns ereilt.

es zerreißt mich
reizt mich
nagt an mir

ich vermiss’ dich
küss mich
bleibe hier

diese leere
schwere
meine gier

mein verlangen
gilt nur dir.

stets am träumen
treue
unserm wir

bis zum letzten
jetzt ver-
bleib ich hier.

werdung oder entsagung der individuation

betend, flehend sprach er zu den göttern,
den großen,
allmächtigen,
allwissenden.
"absolution" sprach er,
"selbstfindung, weisheit" rief er
doch die götter lachten.

von apoll zu dionysos zieht es
am ende
jeden.

gar der ordentlichste, selbszüchtigste geist verfällt den anzüglichen verlockungen des lebens,
schleichenden schrittes holt es ihn ein
und die götter lachen.

apollinische ideale weichen
dem dionysischen drang,
die ordnung dient dem chaos als nährboden
und er kniet weiterhin vor seinem altar,
weinend,
"ich kann nicht…" schluchzt er
harmonierend mit dem gelächter der götter.

nach dem verlust der form,
dem weichen der ordnung zugunsten des chaos,
der anerkennung der triebe und folglich einer hingabe an die heilige mutter,
dem versinken in ihrem schoße und die dadurch bedingte vollständige aufgabe der geistesgestützten, erfundenen individuellen identität,
hiernach lachen die götter und sagen:
"der mensch hat es geschafft."

haltestelle

ich warte.
tage, nächte, wochen, jahre.
auf neues
veränderung
verbesserung
die genesung meines tormentierten geistes.
ich warte auf den erfolg.

den erfolg als die den menschen anbehaftete eigenschaft, welche zwingend die erfüllung in sich birgt, oder doch zumindest den weg dorthin ebnet.

es ist als müsste ich aufwachen und alles wäre anders. endlich würde mein überragender, kreativer geist anerkannt werden und schlagartig würde sich alle unruhe lösen und sich die tiefe ruhe des inneren glücks einstellen.

ich warte.
tage, wochen, monde, winter.
und nichts passiert.

dann endlich erkenne ich:
du bist dumm.
dem wartenden kommt weder glück noch erfolg.
der suchende braucht weder erfolg
noch stellt sich dem findenden glückseligkeit ein.
sie ist jeder zeit zugegen, ich muss mir lediglich den moment gönnen, sie zu erfahren.
nicht durch erfolg, weisheit, wissen, beziehung, familie oder sonstiges stellt sie sich ein.
nein.
sie ist bereits in mir verborgen, wartet -

genau wie ich.
sie wartet.
stund um stunde.
viele tage.
sie wartet.

darauf, dass ich den gequälten künstler, meine oftmals dominierende persönlichkeit ablege und erkenne:
I C H   B I N   Z U F R I E D E N.
darauf, dass ich der unruhe und dem inneren drang nach größerem absage und erkenne, dass es nicht auf äußerlichkeiten oder die wahrnehmung anderer ankommt.

und dann warte ich nicht mehr und wundere mich, warum ich so viel zeit verschwendet habe.

seitensprung

wenn du mir sagst:
liebe
so spüre ich ein zucken
gänsehaut im rücken
ein zittern in den beinen
du hälst mich für den einen?
schon forderst du zum tanz
ich zeig dir meinen
ehering.
ich bin bereits vergeben
kann mich dir nicht hingeben
denn es wäre falsch.

heuchlerisch wie dieses schandwerk ist die falsche liebe und die verleugnung des triebes des einzelnen welcher mitnichten ausgelebt werden muss, jedoch aber gedacht, gefühlt, bemerkt und vor allem als vorhanden anerkannt werden muss.

liebe
als gefühlte verbindung zweier menschen
als volle hingabe und durchdringende kraft
kennt kein falsch
und keine eheringe.

sie kennt nur den drang das dahinscheiden in einer verkommenen, leblosen, präsens-platonischen, rein aus bequemlichkeit weiterbestehenden beziehung zu durchbrechen. zumindest im geiste. alles weitere unterliegt den regeln der gesunden moralbehafteten menschlichen kommunikation.

verdammt.

sie läuft, sie rast, sie rennt
und an der kaum merkbaren vorwärtsbewegung des sekundenzeigers einer armbanduhr könnte ich sie verstreichen sehen, würde ich denn eine solche besitzen.
mit jedem wort, jedem getipptem buchstaben, jeder einzelnen wohllautenden silbe verklingt zugleich ein
tick tack, tick tack.

verdammt.

wir werden alt.
eine volle umkreisung unseres heimatplaneten um den roten feuerball besagt:
ein jahr älter.
ein jahr näher am tod.
ein weiteres jahr, in dem du nichts nennenswertes geleistet hast.
in der welt gibt es immer noch armut.
hunger.
elend.
kleine kinder starben.
ein jahr voll versagen, trotz allen anstrengungen.
einziges resultat:
der körper altert.
wird gebrechlich.
der schleichende verfall dieser maschine die unserem geist eine existenzgrundlage bietet schreitet unaufhaltsam fort.
es ist als ob ich es spüren könnte, als ob jede sich auflösende zelle schreit:
tick tack, tick tack.

verdammt.

und dann sind es zugleich auch noch die schönsten momente die am schnellsten verfliegen.
die momente der liebe, der körperlichkeit und der ruhe
statt der momente der krankheit, des hungers und unruhigen schlafes.
jeder gedanke pocht in meinem schädel
tick tack, tick tack.

verdammt.

und dann gilt es:
fresse halten.
durch das ständige beschweren wird die ganze kostbare zeit verschwendet.
es sind nicht die guten momente die schnell vorbeigehen, es ist das geläster durch das sie verkürzt werden, aus dem gedächtnis ausradiert, mikrochirurgisch durch einsatz des erbarmungslosen instruments der rethorik zerstört.
auf dass es nur schlechtes gibt und das gute ewig kurz währt.
auf dass wir kläglich täglich sekündlich hören:
tick tack, tick tack.

verdammt.

betrachtung einer schwedischen balletttänzerin und deren aufschluss über eine ihr vorangehende betrachtung einer verkäuferin von backwaren und heißgetränken

leicht verschmitzt mit güldnem haupte
weiblich und doch filigran
in schwerelosem schritt umtänzelnd
ward die schwedin mir gewahr.
figur und haute war durchzogen
von kleinsten fehlern - zauberhaft!
alsbald entstand die süße gleichung,
die brücke zu der bäckersfrau.
auch sie war blond und keinesweges
war ihr aussehn perfektion
doch beide - ach verzeihung - weiber
waren schönheit in person.

ich bin auch kreativ du arschloch

mit jedem heben meiner bruste löst
die kette, federweiche seelenfalle,
ihren druck bis plötzlich sie zerspringt
und zärtlich sanft von meinen gliedern gleitet.

nun bin ich frei.
ungebunden an
rhythmus
form
oder sonstigen
scheiß,
doch ist das denn eigentlich noch
kunst?
kann ich diese
metrumfreie
unversierte
strukturlose
exkremente
meines künstlerischen
geistes
immer noch als
kunst
bezeichnen? darf ich?

oder gilt es freie formen doch zu binden,
ihnen einen klang zu geben, schöne sprache
zu gebrauchen?

wenn nämlich
prosa
in gedichtform,
also rein wegen der druckform,
zur
dichtkunst - wird
ohne rhytmusmetrumtrallala,
dann kann jeder
esel
seinen dahingeschissenen,
erbrochenen worterguss
als höchste kunst bezeichnen.

metaphysik

vom höchsten behende getragen
erhebt sich der prächtige schweif
und gleitet in ewigen zirkeln
die wärmende strömung empor.
ersuchend die lockende freiheit
die physis und jenseits eint
und all unserm menschlichen sinnen
die ersten gründe enthüllt.
zu ende sei all unser streben,
vorüber das ewige leid,
gefunden ward seines zwecke
und wir sind zu höherm bereit.

ach wäre doch dieser traume
bereits eine wirklichkeit!
wie wären wir endlich entbunden
vom laster der unwissenheit,
doch würden alsbald wir verschwinden,
das dasein, es würde getilgt,
denn ohne die leidige suche
ermangelt es diesem an sinn.

verstümmelung

erhaben sitzt das wohlgeformte haupt
auf jünglings stolzen, exerzierten schultern,
er trägt, in zierlich weiblich runder schrift,
eine sentenz mit tinte in den leib gegossen.

die worte, so simpel und stupide,
so einfach und dumm,
sein körper reizend aug-ergetzend,
so wunderbar hübsch,
in unberührter blüte,
jung und frisch.

verstümmelt.
entfremdet.
adonis fällt.